Demeter-Imkerei Frühauf

Bio-Honig, geht das überhaupt?

Immer wieder werde ich gefragt, wie das denn gehe mit Bio-Honig, ich könne doch den Bienen nicht sagen welche Blüten sie befliegen sollen … Und die konventionellen Kollegen freuen sich auch jedesmal ein Loch in den Bauch, wenn sie, rhetorisch fragend, feststellen, daß ihre Bienen doch genau denselben Necktar sammeln wie meine – anwesendes Publikum nickt meist zustimmend und wartet, wie ich mich aus der vermeintlichen Verlegenheit winde.

Ich muß zugeben, ich mag diese Frage nicht besonders, aber nicht weil sie mich in Verlegenheit stürzt,  sondern weil ich mir dann immer wie ein Münzautomat vorkomme der den immergleichen Text ausspuckt. 😉 Zur Sache:

Natürlich fliegen meine Bienen auf die selben Blüten wie die des Nachbarimkers, und doch ist mein Honig ein anderer, nach meiner Ansicht auch besserer. Warum? Weil es auch darauf ankommt wie man etwas macht. Um bei den Grundlagen anzufangen, ich kann nicht auf der einen Seite jammern, daß meine Bienen unter den Insektiziden leiden, und dann Fertigfutter von Südzucker verwenden, daß unter Verwendung von  konventionellen,  mit Neonicotioniden gespritzten Zuckerrüben hergestellt wurde.

Aber mir als Demeter-Imker geht es um mehr als nur um Biozucker in der Winternahrung, Beuten aus Holz statt aus Plastik/Styropor und der Königin nicht die Flügel zu schneiden. Allein das wäre mir zu wenig, würde aber im wesentlichen reichen um EU-Bio zertifiziert zu werden.

In der wesensgemäßen Imkerei geht es darum, die Biene als Ganzes zu betrachten, also nicht als einzelnes Insekt, sondern als ein Organismus der aus vielen Teilen/Lebewesen besteht. Natürlich kann auch ich nicht mit den Bienen reden und sie fragen, was ihnen denn genehm/gemäß wäre (auch so eine gern gestellte Frage). Aber ich kann ich versuchen mich in sie hinein zu versetzen, und ich kann auf die Gedanken zurückgreifen, die sich viele andere vor mir in dieser Richtung gemacht haben.

Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und der effektiven Völkerführung werden heute weitgehend Mittelwände aus Wachs verwendet. Diesen sind zumeist in einem einheitlichen Maß von 5,1 mm geprägt und legen somit fest, daß die Bienen dort nur Arbeiterinnenzellen bauen. Drohnenzellen sind hier nicht vorgesehen, weil nicht produktiv. Da gibt man dann einen sogenannten Baurahmen, in welchem die Bienen frei bauen dürfen (und fast ausschließlich mit Drohnenzellen auch tun) und diese Rahmen werden immer wenn sie ausgebaut sind rausgenommen und eingeschmolzen (ein technisches Mittel gegen die Varroa-Milbe).

In der wesensgemäßen Imkerei stehen wir auf dem Standpunkt, daß die Bienen sehr wohl in der Lage sind, ihre Behausung selber mit Waben auszubauen nach ihren Vorstellungen. Will heißen, wir geben zwar Rähmchen, aber diese haben nur einen ganz schmalen Anfangstreifen Wachs um die Richtung vorzugeben, den Rest machen die Bienen selber. Und solche Naturbauwaben sind teilweise, oder fast immer echte Kunstwerke! Und da gibt es dann soviele Drohnen wie das Volk es zulässt, nicht soviele wie der Imker es sich wünscht.

Oder der Schwarmtrieb! Der Schwarmtrieb der Bienen ist unverzichtbarer Teil ihrer Vermehrung – aber ein Imker dessen Völker schwärmen geniest einen schlechten Ruf in Imkerkreisen. In der konventionellen Imkerei und zum Teil auch in der Bio-Imkerei wird sehr großer Wert darauf gelegt, „schwarmträge“ Völker zu züchten. Vermehrung findet ausschließlich durch künstliche Königinnenzucht und Ablegerbildung statt. Da alte Königinen eher schwärmen als junge wird teilweise alle zwei Jahre systematisch die Königin „ersetzt“, sprich abgedrückt/getötet und durch eine Junge ersetzt. Das ganze führt dann zu einer Art Lego-Imkerei, man nehme 5 ausgebaute Waben, 5 Rähmchen mit Mittelwänden, 1,5 Kilo Bienen und eine frische Königin vom Züchter und fertig ist das Bienenvolk.  Wer braucht schon „Schwarmtrieb“ zum Vermehren …

In der Demeter-Imkerei ist es uns ein Anliegen, genau diesem ursprünglichem Vermehrungsprozess durch den Schwarm zu folgen. Wenn wir sehen daß ein Volk schwärmen will nehmen wir kurz vor dem Schwarm die alte Königin und einen Teil des Volkes aus der Beute und logieren diesen „vorweggenommen“ Schwarm in eine frische Beute ein. In der alten Beute werden die verdeckelten Königinnenzellen von den restlichen Bienen versorgt und ein oder mehrere neue Völker entstehen. Ideal wäre es natürlich, wenn wir die Völker richtig schwärmen lassen könnten, aber das kann sich nur leisten wer auch immer zum einfangen parat stehen kann.

Solcherlei Betrachtungen gäbe es noch viele, aber vorerst soll es als Beispiel reichen, wieso Demeter/wesensgemäße Imkerei sich gravierend von anderer Imkerei unterscheidet. Schmeckt man nun diese Form der Imkerei heraus? Ist der Honig besser weil die Haltung der Bienen besser ist?

Ich bin der festen Überzeugung, daß man es meinem Honig anmerkt,  welche Mühe und Rücksichtnahme gegenüber dem Wesen der Biene darin steckt. Jeder Standort, jede Jahreszeit, ja, sogar jedes Volk bringt seinen eigenen Honig hervor, aber allem Honig meiner Völker ist der Respekt vor dem Wesen der Bienen „anzuschmecken“.

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